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Mobilitätserziehung

Warum ist das Thema Mobilitätserziehung so wichtig?

Mobilitätserziehung leistet einen Beitrag zur Bildung für Umwelt und Demokratie.
In jungen Jahren werden Weichen gestellt für die Gewohnheiten, mit denen später Erwachsene Verkehrsmittel auswählen bzw. wie sie sich im Straßenverkehr verhalten. Es ist ein Unding, dass seit Jahren die Werbung der Autoindustrie den stärksten Faktor in der „Verkehrserziehung“ gerade von männlichen Jugendlichen spielt. Die Schule vergibt eine große Chance Jugendlichen das Sachwissen zu vermitteln, das ihnen ermöglicht z.B. die Folgen der Motorisierung, aber auch der derzeit zunehmenden Billigflugangebote zu reflektieren. Ohne Auto und Flugzeug als moderne Verkehrsmittel zu verteufeln, sollte der Unterricht sie auf eine spätere intelligente und verantwortliche Verkehrsmittelwahl vorbereiten. Dazu gehören auch

 
  • Erkenntnisse über gesellschaftliche Zusammenhänge von Mobilität,
  • Möglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs und
  • Alternativen zum Lebensziel: Ich möchte endlich 18 werden um den Führerschein machen zu können.

Erste Schritte zur Partizipation könnten Schüler z.B. lernen, indem sie unter Anleitung der Lehrer eine Bestandsaufnahme im Wohn- und Schulumfeld durchführen und Gefahrenpunkte für den Fußgänger- und Fahrradverkehr benennen und sich für deren Behebung stark machen. Mobilitätserziehung leistet einen Beitrag zur Verkehrssicherheit in Berlin.
Wenn auch die Gesamtzahlen der im Verkehr Getöteten in den letzten Jahren abgenommen haben, ist die Zahl der durch Verkehrsunfälle Verletzten nach wie vor sehr hoch. Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen dabei die schwächsten Verkehrsteilnehmer, d.h. Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Aber auch die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen stellt eine hoch gefährdete Risikogruppe dar. Deshalb ist es unverständlich, dass nach der Grundschulzeit bis zum Beginn der (privaten) Fahrausbildung im öffentlichen Schulwesen das Thema nicht mehr aufgegriffen wird. Fahrschulen vermitteln in der kurzen Zeit der Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung vorrangig die Beherrschung der Maschine Auto, dagegen nehmen wichtige Faktoren viel zu wenig Raum ein, die als soziales Lernen auch in der Schule von großer Bedeutung sind: Empathie, Beurteilung einer Situation aus einer anderen Perspektive, Respekt vor Schwächeren und Anerkennung von deren Bedürfnissen. Diese sozialen Kompetenzen können sich nur langsam entwickeln und erfordern vor allem erlebnis- und erfahrungsorientiertes Lernen.

Mobilitätserziehung leistet einen Beitrag zur Gesundheitserziehung.
Weltweit sterben jährlich etwas 1.2 Millionen Menschen im Straßenverkehr. Daher stand der diesjährige Weltgesundheitstag unter dem Motto „Sicher fahren – gesund ankommen“. Dabei wurde sowohl auf die Förderung der oben beschriebenen sozialen Kompetenzen als auch auf Prävention gegen die Rolle von Alkohol und Drogen bei Verkehrsunfällen hingewiesen. Aber nicht nur die unmittelbare Gefahr durch den Straßenverkehr stellt ein Problem dar, auch die langfristigen Veränderungen der Lebensgewohnheiten rücken immer mehr ins Bewusstsein. „Klug wird... wer sich viel bewegt!?“ – Der Name einer Tagung zum Thema in München am 23.4. (Veranstalter: BAYERNFORUM Friedrich-Ebert-Stiftung) macht deutlich, dass häufig ein Zusammenhang zwischen Bewegungsmangel und schwieriger Lernsituation besteht. Appelle allein bringen keine Verbesserung, wenn man nicht die Ängste der Eltern in Bezug auf die Gefährdung ihrer Kinder im Straßenverkehr ernst nimmt.

Unterschied zwischen Verkehrs- und Mobilitätserziehung:

Verkehrserziehung setzt meist darauf, durch Training von richtigem Verhalten im öffentlichen Straßenverkehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad das Sicherheits- und Regelverhalten von Kindern im Straßenverkehr gezielt zu fördern.

Mobilitätserziehung zielt auf ein umfassendes Verständnis des komplexen Problembereichs Verkehr. Mobilität wird als menschliches Grundbedürfnis anerkannt. Die Fortbewegung in allen Lebensbereichen soll sachlich und kritisch thematisiert werden, die Folgen des wachsenden Verkehrsaufkommens für Gesellschaft und Umwelt sollen ebenso untersucht werden wie deren Ursachen. Ziel ist sowohl der Zuwachs an Wissen als auch eine Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in Planungsprozesse in Stadt- und Verkehrsplanungen, also die Vorbereitung von Partizipation. Um dies zu erreichen versteht sich Mobilitätserziehung in der Schule als ganzheitlicher Ansatz für das Lehren und Lernen, in den viele unterschiedliche Fächer von Sachkunde/Biologie über Mathematik bis hin zu Fremdsprachen und die künstlerischen Fächer mit einbezogen werden können. Mobilitätserziehung ist meist verbunden mit Projektarbeit.